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Knieprothese
Dieser Artikel befasst sich mit den verschiedenen Arten von Knieprothesen und ihrer Einteilung, den Indikationen und Kontraindikationen zu ihrer Verwendung und den zum Einsatz kommenden Werkstoffen.
Einteilung der Knieprothesen
Knieprothesen teilt man nach ihrem Koppelungsgrad ein. Das hei�t je mehr Funktionalit�t des nat�rlichen Bandapparats im Kniegelenk besch�digt ist und von der Knieprothese �bernommen werden muss, desto h�her der Koppelungsgrad. Das Kniegelenk ist ein sogenanntes Roll-Gleit-Gelenk. W�hrend des normalen Gangs rotiert der Unterschenkel um den Oberschenkel|Oberschenkelknochen und gleitet dabei nach vorn. Die Kniekinematik ist dadurch sehr komplex.
Bei der Bewegung von der Flexion in die Extension (vom gebeugten in das gestreckte Knie) rotiert der Unterschenkel um den Oberschenkel nach vorne. Dabei dreht sich der Fu� und somit der Unterschenkel um den inneren Kondylus nach aussen.
Bei der Bewegung von der Extension in die Flexion rotiert der Unterschenkel um den Oberschenkel nach hinten. Dabei dreht sich der Fu� nach innen und der Unterschenkel gleitet nach vorn.
Diese komplexe Kinematik kommt durch die Form der Gelenkfl�chen, der Meniskus (Anatomie)|Menisken und vor allem durch die Anordnung der Ligament|B�nder und Muskulatur|Muskeln zustande.
Uniknie kommen zu Anwendung, wenn alle B�nder am Kniegelenk voll funktionsf�hig sind und nur an einem der beiden Kondylen eine Sch�digung des Gelenkknorpels vorliegt.
Eine Bikondyl�re Prim�rprothese kann zum Einsatz kommen, wenn das vordere Kreuzband besch�digt ist, die anderen B�nder aber ausreichend funktionsf�hig sind. Es werden sowohl am Femur als auch an der Tibia die Gelenkfl�chen ersetzt. Die Menisken werden entfernt. Es gibt einzelne Implantatsysteme, die auch bei intaktem vorderem Kreuzband eingesetzt werden k�nnen.
Wenn weder das hintere noch das vordere Kreuzband erhalten sind, wird eine sogenannte Posterior Stabilisierte Prothese (PS-Knie) eingesetzt. Hier �bernimmt das Knieimplantat bereits die Funktionen der Kreuzb�nder und zwingt die Tibia bei zunehmender Beugung nach vorne bzw. den Femur nach hinten.
Sind sowohl die Kreuzb�nder als auch die Seitenb�nder besch�digt, die Gelenkkapsel und der Muskelapparat aber noch gut intakt, kann eine sogenannte Achsgef�hrte Rotationsprothese (Rotating-Hinge) eingesetzt werden. Hier �bernimmt das Implantat die Stabilisierung des Gelenks sowohl nach vorne und hinten, als auch nach links und rechts. Es l�sst aber eine Rotation der Tibia gegen den Femur zu, das hei�t der Fu� kann noch nach au�en gedreht werden.
Als letzte M�glichkeit gilt das Achsgef�hrte Knie. Sind auch die Kapsel und der Muskelapparat besch�digt, was oft mit gro�en Knochendefekten einhergeht, muss auch die Rotation der Tibia gegen den Femur, sprich das Drehen des Fu�es, eingeschr�nkt und das Kniegelenk so weiter stabilisiert werden. Hier kann nun nur noch die Tibia gegen den Femur nach vorne und hinten bewegt werden.
M�gliche Indikationen und Kontraindikationen
Indikationen k�nnen sein:
- degenerative Arthrose (Besch�digung des Gelenkknorpels)
- rheumatoide Arthritis (Entz�ndung des Gelenks mit Knorpelsch�digung)
- posttraumatische Arthritis (Arthritis nach Unfall)
- symptomatische Knieinstabilit�t (Verletzungen des Bandapparats)
- Knieversteifung (Rekonstruktion der Beweglichkeit des Gelenks)
- Deformationen des Kniegelenks
Je nach Erkrankung und deren Schweregrad muss der Arzt aus den unterschiedlichen Implantattypen die bestm�gliche L�sung und Therapie f�r den Patient ausw�hlen. Die richtige Indikationsstellung liegt allein im Verantwortungsbereich des behandelnden Arztes.
Kontraindikationen k�nnen sein:
- wenn ein rekonstruktiver Eingriff (z.B. Osteotomie) zur Therapie des Gelenkleidens m�glich ist
- akute oder chronische Infektion|Infektionen im Gelenk oder in dessen N�he
- systemische Infektionen
- St�rungen des Stoffwechsel|Stoffwechsels
- Osteoporose oder Osteomalzie
- Sch�digung der Knochenstruktur, die eine stabile Verankerung des Implantats verhindern
- Knochentumore im Bereich der Implantatverankerung
- kn�cherne Missbildungen oder extreme Achsfehlstellungen
- zu erwartende �berlastung des Implantats zum Beispiel durch Adipositas (�bergewicht)
- Medikamenten-, Drogen- oder Alkoholsucht
- Schwangerschaft (keine Operation w�hrend der Schwangerschaft m�glich)
- Verdacht auf Allergie|Metallallergie oder -unvertr�glichkeit
Verwendete Werkstoffe
Der am h�ufigsten Verwendete Werkstoff ist die ''Kobalt-Chrom-Gu�legierung'' CoCr29Mo nach ISO 5832-4 f�r die Femur- und Tibia-Implantatkomponenten.
F�r Augmentationskeile und Platten wird h�ufig der eine Kobalt-Chrom-Legierung nach ISO 5832-12 verwendet.
Es kommen auch Titanlegierungen zum Einsatz, welche vor allem f�r Patienten mit Nickelallergie verwendet werden.
Die Gleitfl�chen sind in der Regel aus UHMWPE (ultra hochmolekulares Polyethylen) nach ISO 5834-2 hergestellt.
Verankerung des Implantats
Implantate werden h�ufig mit Knochenzement am Knochen verankert.
Wahlweise kann auch eine Verankerung ohne PMMA (Knochenzement) gew�hlt werden. Hier sind die Implantatkomponenten meist mit einer Beschichtung versehen, die ein An-/Einwachsen des Knochen beg�nstigen und so eine sicher Verankerung gew�hrleisten. Bis der Knochen in diese Schicht eingewachsen ist, h�lt das Implantat durch den sogenannten Presssitz. Das hei�t das Implantatlager (der Knochen) wird so pr�pariert, dass die Prothese auf dem nochen klemmt.
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